| Sara Nuru über die Hilfe für Äthiopien. |
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Selbstbewusst auf dem Laufsteg – selbstlos in der Heimat.
Sara Nuru: Die Stiftung kam auf mich zu, als ich unter den letzten zehn Kandidaten für „Germany´s next Topmodel“ war. Ich habe die Arbeit von Menschen für Menschen schon immer bewundert und sofort zugesagt. Klar bin ich nach wie vor stolz darauf, dass ich das Finale von GNTM gewonnen habe, aber wenn man es sich so überlegt: Ich habe ja eigentlich nichts Großartiges geleistet. Dagegen die Leute von „Menschen für Menschen“, die arbeiten wirklich um Menschen zu helfen und nicht um eigene Bedürfnisse zu befriedigen - das ist so viel wichtiger!
TELIS Magazin: Ihre Eltern sind gebürtige Äthiopier. Sie und Ihre drei Schwestern sind dagegen in Deutschland geboren. Welchen Bezug haben Sie zu Äthiopien?
Sara Nuru: Ich habe einen engen Bezug zu Äthiopien. Meine Großmütter, meine Tanten, Cousinen, Cousins – alle leben in Äthiopien. Früher war Äthiopien für mich immer nur ein Land, das meine Eltern regelmäßig besuchten – und ich hin und wieder mal Verwandte. Obwohl es so ein armes Land ist und meine Eltern damals noch nichts von ihrer guten Zukunft geahnt haben, fanden sie es dort wunderschön und wollen immer wieder zurück. Es ist eben ihr Zuhause und darum weiß auch ich so gut über das Land Bescheid.
TELIS Magazin: Kürzlich haben Sie Äthiopien besucht. Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann dort zu leben?
Sara Nuru: Also ich war schon sehr nervös vor meiner Reise nach Äthiopien. Ich wusste zwar, was mich erwartet, aber so emotional habe ich es mir dann doch nicht vorgestellt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel weinen muss und zwar nicht nur, weil alles so schrecklich war, sondern weil es so rührend ist, wie die Menschen dort mit ihrem Schicksal umgehen. Sie sind glücklich, obwohl sie nichts haben. Besonders überwältigt war ich von der tollen Gastfreundschaft, von dieser Menschlichkeit und Herzlichkeit. Ich war zum Beispiel in einem Kinderheim, in dem 195 elternlose Jungen und Mädchen leben, die als Familie zusammengewachsen sind. Wir haben den ganzen Tag mit den Kindern gespielt. Sie haben für mich getanzt, gesungen und es gab sogar eine Modenschau. Wir haben zusammen gelacht und geweint. Das war echt schön. Dann sind wir zu der Schule gegangen und die Schüler, die teilweise in meinem Alter sind, haben mir die Schule gezeigt. Das werde ich niemals vergessen. Ich hoffe, dass wir so viel Geld wie möglich sammeln und spenden können, um dort eine neue Schule zu bauen. Es ist viel effektiver, den Menschen etwas beizubringen, als ihnen einfach nur Geld zu spenden. Von Bildung zehren sie länger.
TELIS Magazin: Wie sehen Sie die Lage der Kinder in Äthiopien? Wie wird Schule von den Kindern und Eltern wahrgenommen und empfunden?
Sara Nuru: Die Kinder in Äthiopien stehen um fünf Uhr morgens auf, um sechs Uhr machen sie Frühstück, laufen danach drei Stunden zur Schule, bleiben dort bis um drei, um dann wieder drei Stunden zurückzulaufen. Was ich erschreckend fand, war, dass mich alle im Klassenzimmer ausgelacht haben, als ich wissen wollte, wann es Mittagessen gibt; weil keiner von ihnen ein Mittagessen bekommt. Für sie ist es selbstverständlich, dass es nach dem Frühstück nichts mehr gibt bis zum Abendessen. Ich hatte Schuldgefühle, weil es mir so gut geht. Ich habe mich geschämt, weil ich früher manchmal keine Lust hatte, in die Schule zu gehen und lieber fernsehen wollte. Und die Kinder in Afrika gehen drei Stunden barfuß zur ihrer heruntergekommenen Schule, nur um ein bisschen Bildung zu kriegen. Die Klassenräume sehen aus wie Kuhställe. Die Menschen haben kein Tageslicht in ihren Hütten und erst recht keinen Strom. Hier sind die Kinder schon froh, wenn sie einfach einen Bleistift und ein Blatt Papier haben.
Sara Nuru, Germany´s Next Topmodel 2009:
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